Kantate zum Advent

Kantate zum Advent

Bachkantate Nr 61 "Nun komm der Heiden Heiland"

Thema: Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an

Satz 1 – Choralchor „Nun komm, der Heiden Heiland“ (a-moll, alla breve)

Hier liegt die Form der französischen Ouvertüre vor: 1. Teil langsam, gerader Takt, punktierte Rhythmen; 2. Teil schnell, fugiert, 3. Teil an den 1. Teil angelehnt.

Die Streicher spielen den 1. Teil der französischen Ouvertüre mit dem charakteristischen Rhythmus, der Chor singt dazu stimmenweise nacheinander (Sopran, Alt, Tenor, Bass) die erste Choralzeile in langen Notenwerten. Ganz zu Beginn spielt der B. c. ebenfalls diese Zeile, dann nochmals zwischen den Einsätzen von Alt und Tenor.

Die zweite Choralzeile erscheint im vierstimmigen homophonen Chorsatz zu den Streichern, die dazu die Motivik des 1. Teils fortsetzen.

Die dritte Choralzeile bildet das Material für den schnellen fugierten Mittelteil der Ouvertüre. Hier gehen die Instrumente colla parte mit den Chorstimmen, die beiden Violinen mit dem Sopran, die erste Viola mit dem Alt, die zweite Viola mit dem Tenor und der B. c. mit dem Bass.

Die vierte Choralzeile ist im 3. Teil der französischen Ouvertüre genauso wie die zweite gesetzt: vierstimmiger homophoner Chorsatz zur charakteristischen Motivik in den Streichern.

Satz 2 – Rezitativ „Der Heiland ist gekommen” (C-Dur)

Nach secco-Beginn geht dieses Rezitativ beim Text „du kömmst und lässt dein Licht mit vollem Segen scheinen“ in ein Arioso über, in dem Tenor und B. c. einander imitieren.

Satz 3 – Arie „Komm, Jesu, komm zu deiner Kirche“ (C-Dur, 9/8)

Die Abwärtsbewegung im B. c. sowie in der Oberstimme des Ritornells mag das „Herabkommen“ des Heilands darstellen. Dafür spricht auch, dass erst am Schluss der Arie (bzw. des A-Teils) der tiefste Ton im B. c. erreicht wird. Es liegt eine da-capo-Arie vor, allerdings mit verkürzter Reprise, denn dieser fehlt das Eingangsritornell. – Der B-Teil kontrastiert durch seine Tonart a-moll und ein neues Motiv mit charakteristischer Auftakt-Quarte.

Satz 4 - Rezitativ „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an“ (e-moll -> G-Dur)

Sicher der faszinierendste Satz der Kantate. Das im Text angesprochene „Klopfen“ wird durch die Pizzicati der jeweils geteilten Violinen und Violen sowie des B. c. dargestellt. Frappierend im wahrsten Sinne des Wortes.

Satz 5 - Arie „Öffne dich, mein ganzes Herze“ (G-Dur, 3/4)

Die Instrumentalbegleitung besteht nur aus dem B. c., was dem Cembalisten oder Organisten große Freiheit bei der Ausgestaltung lässt. Hier liegt eine Devisenarie vor: Der B. c. beginnt mit der Vorstellung der „Devise“ der Gesangspartie; diese Devise wird dann einmal vom Sopran vorgestellt, nach einem kurzen instrumentalen Zwischenspiel folgt nochmals die gesungene Devise, die „eigentliche“ Partie beginnt. – Der Mittelteil kontrastiert durch ein eigenes Tempo: „adagio“ ist vorgeschrieben, dies entspricht dem ebenso deutlich kontrastierendem Text. Es werden die Bereiche von a-moll und C-Dur erreicht und wieder verlassen, bis dieser Teil wieder G-Dur erreicht und auf der Dominante schließt. – Da capo.

Satz 6 – Choralchor „Amen, amen, komm, du schöne Freudenkrone“ (G-Dur, c)

Anstelle eines einfachen Schlusschorals (so man einen Bach-Choral denn einfach nennen mag) steht ein ausgewachsener Choralchor. Der Sopran singt die nicolaische Choralmelodie, die anderen Singstimmen figurieren dazu in reich bewegtem Satz. Die erste Viola geht mit dem Alt, die zweite mit dem Tenor, ein Fagott verstärkt den Bass, der meist auch mit dem B. c. zusammen geführt ist. Darüber jubilieren die beiden Violinen im Unisono und schwingen sich zum Schluss sogar auf ein g‘‘‘.